Praktikumsanfragen - Sind das etwa Hinweise auf aktuelle deutsche Ausbildungsqualität?

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07.12.2017, HHW

Wir erhielten in den vergangenen Tagen folgende Anfragen nach Praktikumsplätzen und waren über diese "leicht" überrascht. Ist das etwa das Ergebnis aktueller, deutscher Schulausbildungsqualität und der "Generation Smartphone"?
Wir geben die anonymisierten Mails und unsere Antworten im Wesentlichen wieder, in der Annahme, die Hinweise könnten für junge Praktikumssuchende hilfreich sein.
Was meinen Sie?

Anm.: Wir erhielten eine Rückmeldung einer Assistentin der Geschäftsführung des BFW. Wir werden infolgedessen eine kleine Relativierung anfügen; wegen anderer Aufgaben wird dies erst in einigen Tagen erledigt werden können.



Anfrage 1: Am 04.12.2017 um 13:35 schrieb NN.VN (persönliche Mailadresse eines sozialen Ausbildungswerkes):
"Sehr geehrte Damen und Herren,
im Rahmen meiner Umschulung war vom 4.12.17-2.3.18 ein Praktikum geplant.
Dazu würde ich Sie hinterfragen, ob entsprechende Plätze in diesen Zeitraum für IT-Systemelektroniker vorhanden wären.
Falls ja, würde ich meine Bewerbung nachschicken.
Ich bitte um baldige Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüßen
VN NN"

Antwort:
Sehr geehrter Herr NNN,
nachdem Sie gestern Abend in Form einer Blindkopie meine Antwort auf eine Anfrage eines anderen (jungen?) Herrn erhalten haben, haben Sie schon etwas bzgl. meiner Einstellung zu "netten" Praktikumsanfragen erfahren. Heute antworte ich Ihnen endlich persönlich und werde auch Ihnen kurz skizzieren, inwiefern Ihre Anfrage verbesserungswürdig ist bzw. was mir mißfallen hat.

Das Letztere zuerst:
- Keine Kontaktdaten! Senden Sie auch Briefe, so Sie solche überhaupt manchmal schreiben, ohne Absenderadresse? Auch bei Mails ist so etwas nicht bedeutungslos. Positiv in Ihrem Fall ist die Domain (BFW-NNN.de), die die Vermutung nahelegt, dass Sie Schüler des BFW STADT sein könnten (aber auch das ist keine letztliche Gewissheit, wenn man weiß, was heutzutage an gefälschten Mails im Umlauf ist).

- "Ich bitte um baldige Rückmeldung."
Obwohl Sie "bitte" verwenden, ist der Satz insgesamt in seiner Wirkung nicht positiv. Vielleicht können Ihre Lehrer Ihnen das näher erläutern.
Positiver wäre z. B.: " Über eine zeitnahe (oder kurzfristige oder auch baldige) Antwort würde ich mich freuen." (Klar, denn Ihr Praktikum sollte ja schon zum 4.12.17 beginnen.)

- Kein Hinweis, weshalb Sie uns anschreiben bzw. sich bei uns bewerben möchten (abgesehen von dem verständlichen Grund, dass Sie offenbar dringend einen Praktikumplatz benötigen).
Wie kommen Sie auf uns? Was von dem, was wir tun, interessiert Sie? Dass wir etwas mit IT-Systemelektrnik zu tun haben könnten oder dass dies ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit wäre, wird auf unserer Seite nirgends erwähnt!

Zu Ihren Aussagen, die Fragen aufwerfen:
- "Umschulung" => Weswegen, umschulen zu was, was haben Sie vorher gemacht ...?

- "war vom 4.12.17-2.3.18 ein Praktikum geplant."
   Und jetzt? Sie schreiben am 4.12.17! Was ging schief, dass Sie keinen P-Platz bekommen haben? Weshalb suchen Sie jetzt (erst?)?

- "Dazu würde ich Sie hinterfragen, ob entsprechende Plätze in diesen Zeitraum für IT-Systemelektroniker vorhanden wären."
Auch ein leicht unmöglicher Satz. Falls Sie meine Kommentare dazu nicht sofort verstehen, dann bitten Sie einen Lehrer, der Deutsch unterrichtet oder zumindest mit den Feinheiten unserer Sprache vertraut ist, um Erklärung.
"würde ..." Das drückt etwas aus, dass man tun möchte/würde, aber nicht tut. OK, Sie "würden hinterfragen" ... Dann tun Sie es doch! Also: Aktive Verbform verwenden! "Ich hinterfrage ..."

"hinterfrage ..." Ein in diesem Zusammenhang unpassendes Verb.
Was bedeutet "hinterfragen"? => die genauen Zusammenhänge von etwas erfragen // analysieren, bezweifeln, überlegen, herausfinden, ob eine Aussage wahr bzw. glaubhaft ist oder welche Absicht oder Gründe hinter einer Aussage oder Handlung stehen // (etwas) auf Herz und Nieren prüfen // etwas (näher) unter die Lupe nehmen

- "ob ... vorhanden wären. Falls ja, würde ich meine Bewerbung nachschicken."
Ihr Schlussfolgerung ist (leicht) vermessen. Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass, "falls ja", man Ihre Bewerbung haben möchte? Und warum erst dann, warum haben Sie die Bewerbung (mehr als 2 S. müssen das nicht sein) nicht gleich mitgesandt?
Und weshalb haben Sie nicht gewagt, vor einer solch unfertigen Mailanfrage einfach anzurufen und zu fragen?
Aber: In Ihrem Fall hat sich in gewisser Hinsicht Ihre Mailanfrage gelohnt, denn Sie erhalten kostenlos ausführliche Hinweise, wie Sie es zukünftig nicht tun sollen. Und als kleine Anregung sende ich Ihnen als Muster anonymisierte Schüler-Bewerbungsschreiben (als PDF-Dateien); falls gewünscht, könnte und würde ich Ihnen auch die zugehörigen Word-Vorlagen senden.

- Also: Falls die Antwort "ja" wäre, könnte das dennoch keine positive Antwort für Sie sein, denn man weiß nichts von Ihnen.
Alle die jungen Personen, die gleich mit der ersten Zuschrift schon ein halbwegs ausführliches Bewerbungsschreiben plus Kurzlebenslauf mitgesandt haben, sind/wären Ihnen gegenüber im Vorteil. Man kann/könnte dann auf dieser Basis auswählen.
Falls es P-Plätze gäbe, müsste man Ihnen erst antworten "ja". Allein das ist schon unnötiger Aufwand und dann wartet man auf die vielleicht eingehende Bewerbung und würde dann vielleicht erkennen, der Bewerber passt nicht zu uns ..., also absagen.
Der Aufwand für Sie ist dadurch insgesamt zu hoch!
Das meine ich, sollten Ihre Lehrer/Betreuer Ihnen vermittelt haben. Wenn nicht, sollten diese Personen sich dringend "auf eigene Kosten" entsprechend weiterbilden oder die Institution BFW sollte kompetente Gastreferenten einladen.
Abgesehen davon habe ich mit den von uns ausgebildeten/betreuten Schülern immer ausgiebig Bewerbung geübt, habe an Beispielen aufgezeigt, auf was zu achten ist und habe jeden eine Testbewerbung schreiben lassen. Erst danach durften die Schüler "in die freie Wildbahn", denn schließlich kann man aus dem, wie die jungen Leute sich bewerben bzw. "draussen" benehmen/bewähren zum Teil auch darauf schließen, wie sie ausgebildet wurden bzw. welches Elternhaus sie haben.
Das alles (also die Vorbereitung) scheint bei Ihnen nicht erfolgt zu sein, denn sonst hätten wir nicht eine solche (unfertige) Anfrage von Ihnen erhalten (oder Sie haben, wie ich dem anderen Herrn schrieb, nicht aufgepasst).

- Was noch fehlt: Bestünde für Sie überhaupt die Möglichkeit 50 km von Ihrem Wohnort entfernt einen Praktikantenplatz annehmen zu können. Wie kämen Sie morgens hin, abends zurück?

Wir selbst können derzeit keine Praktikanten aufnehmen und in Sachen IT-Systemelektronik sind wir sowieso eine nicht passende Adresse.
Sollten Sie seitens Elternhaus/Bekannten/Lehrer keine weitere Unterstützung erhalten können, dürfen Sie sich gerne noch einmal melden, aber teilen Sie dann mehr über sich mit.

Hinweis: Diese Mail geht auch an die unter CC genannten Personen (BFW-Geschäftsführer, Ausbildungsleiter), weil ich meine, meine Rückmeldung an Sie sollte/könnte auch diese Personen interessieren.



Anfrage 2: Am 06.12.2017 um 13:34 schrieb VN NN (mit web.de-Mailadresse):"Kann man bei ihnen ein Freiwilliges Praktikum in den Osterferien absolvieren?" (Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit WEB.DE Mail gesendet.)

Antwort:
Sehr geehrter Herr NNN,
wenn Sie ein Schüler des Berufsförderungswerkes NNN sein sollten, dann haben Ihre Lehrer offenbar versäumt, Sie zu unterrichten, wie man sich in etwas korrekterer Form bewerben sollte, oder Sie haben nicht aufgepasst.

Eine Anfrage, wie die Ihre, ohne Anrede, ohne Gruß, ohne Kontaktdaten und ohne zumindest eine "kleine" Andeutung, was Sie machen, wie alt Sie sind, weshalb Sie ein Praktikum absolvieren wollen/müssen, wie lange das sein soll, was Sie sich vorstellen etc., wird bei uns normalerweise nicht beantwortet. Eine solche Mail kann man meines Erachtens nicht besonders gut mit einem Smartphone schreiben, ich meine, es wäre sinnvoller eine solche Bewerbungsmail an einem PC oder Notebook zu erstellen.

Weil heute Nikolaustag ist und weil gestern ein anderer junger Mann eine Mail wegen eines Praktikums sandte (seine Mail enthält immerhin ein wenig mehr Text und Informationen), antworte ich Ihnen. Der junge Mann von gestern ist offenbar Schüler des BFW Stadt (darauf deutet seine Mailadresse hin). Leider kam ich noch nicht dazu, ihm zu antworten, weil ich derzeit zu beschäftigt bin. Weil seine Mail etwas freundlicher war, werde ich ihm Hinweise senden, auf was man achten sollte, wenn man sich per Mail bewirbt und werde ihm auch anbieten, ihm behilflich zu sein, sofern er es möchte.

Diese Mail geht in Kopie an zwei BFW-Herren. Herr NNN1 ist laut Webseite (Link) für "qualifizierte Praktikanten" zuständig, wobei ich nach dem Text der Webseite etwas anderes von einem Praktikumssuchenden erwarten würde, als das, was mir nun per zwei Mails vorliegt.

Falls Sie kein BFW-Schüler sein sollten, ist das zum BFW Geschriebene uninteressant für Sie. Das Übrige können Sie mal auf sich wirken lassen. Sollten Sie noch minderjährig sein, empfehle ich ein Gespräch mit Ihren Eltern, hoffend, dass diese Ihnen vielleicht einige Hinweise geben können. Falls nicht, wenden Sie sich an Ihre Lehrer oder Freunde/(erwachsende) Bekannte ...

Sollten Sie von anderen Unternehmen eine positive Antwort auf Ihre sehr dürftige Anfrage erhalten haben oder erhalten, schön für Sie. Wie erwähnt, bei uns geht der Daumen bei so einer Mail nach unten. Etwas Stil, Anstand und ein Mindestmaß an Qualität (bzw. das Bemühen darum) erwarten wir schon.

Dass aber (leider) auch Erwachsene und sogar Mitarbeiter der Bundesregierung bzw. der Bundes-SPD bei der Ausführung Ihrer Arbeit schlampen, können Sie - wenn es Sie interessieren sollte - auf unserer entsprechenden Blog-Seite erfahren. Wir sind durch Zufall darauf gestossen. Es passt leider in den Eindruck, den wir seit längerem haben: sorgfältiges Arbeiten und persönliche Verantwortung für Murks zu übernehmen, sind in Deutschland anscheinend Auslaufmodelle.

Viel Erfolg bei Ihren Bemühungen um einen Praktikumsplatz.